Energiewende

Die Dringlichkeit einer schnellen Energiewende im Zusammenhang mit einem grundsätzlichen Umdenken im Umgang mit unseren Lebensgrundlagen wird immer offensichtlicher. Dürresommer, Waldbrände, Überschwemmungen, schmelzende Gletscher, auftauende Permafrostböden usw. sind erst der Anfang einer sich exponentiell beschleunigenden Entwicklung, deren Welle so früh wie möglich gebrochen werden muss. Sind die Kipppunkte erst einmal überschritten, entzieht sich das Klimasystem wahrscheinlich endgültig dem menschlichen Einfluß und verstärkt sich immer weiter selbst. 

Hoffnungsvollerweise wächst aber auch das Problembewußtsein in der Bevölkerung und die Energiewende nimmt jetzt, mit dem Regierungswechsel, dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ,dem europäischen Green-Deal und dem russischen Angriffskrieg, immer schneller an Fahrt auf. Es gibt mittlerweile so viele Ideen, Möglichkeiten, technologische Durchbrüche und auch Simulationen (z.B. aktuell vom BUND und der TU München für Bayern) die zeigen, dass eine Umstellung auf 100% erneuerbare Energien durchaus machbar und realistisch ist - mit einem möglichst effektiven und engmaschigen Netz aus regenerativen Stromerzeugern, passenden Speichern und einem intelligenten Zusammenspiel all dieser Technologien. Allein mit wenigen zentralisierten (Off-Shore-)Großprojekten und HGÜ-Überlandleitungen, wird diese Jahrhundertaufgabe dagegen kaum zu bewältigen sein und vor allem auch zu lange dauern.

Erfolgversprechender ist vielmehr eine kleinteilige, in sich verschachtelte Erzeuger- und Speicherlandschaft, die durch kurze Wege und intelligentes Energiemanagement, die schwankenden Energieströme auch effizient verarbeiten kann. Neben dem weiteren Ausbau großer Windkraftanlagen und Solarparks, werden somit auch die vielen privaten Kleinstromerzeuger (in Zukunft zunehmend mit Speichern) immer mehr an Bedeutung gewinnen und das gesamte Energiesystem ganz wesentlich in der Fläche unterstützen. 

Der große Vorteil dieser kleinteiligen Stromerzeugung steckt in vielen Synergie-Effekten, die praktisch kostenlos dazukommen, insbesondere: 

  • geringe Stromverluste durch kurze Wege und intelligente Verbrauchssteuerung (virtueller Speicher)
  • Entlastung der großen Stromnetze und Einsparung umstrittener Überlandleitungen (Kostenvorteil)
  • hohe Systemstabilität (Redundanz), 
  • Einbeziehung sehr vieler Menschen in den Energie-Umbau (Zeitgewinn, Akzeptanz)
  • bewussterer und sparsamerer Umgang mit dem eigenen Strom (Einsatz menschlicher Intelligenz)
  • Möglichkeit des privaten Stromhandels über das zukünftige Smart-Grid bzw. Teilhabe am „Bürgerstrom“ (Motivation)
  • mehr Gemeinschaftssinn, mehr Zusammenarbeit, mehr regionale Wertschöpfung, schnellere Bauverfahren, gerechtere Verteilung, usw.


Mit den weiter fortschreitenden technologischen Entwicklungssprüngen vor allem in den (Batterie-)Speichertechnologien ergeben sich auch immer bessere Rahmenbedingungen für jeden Einzelnen, die Energiewende selbst mitzugestalten und zu beschleunigen– allem voran mit Photovoltaik (9 von 10 geeigneten Dächern sind noch ungenutzt!), Solarthermie (sehr effizient!), Wärmedämmung, Elektroautos, Wärmepumpen, Speichern usw.. Gerade die Erfolgsgeschichte der vielen privaten Photovoltaik-Anlagen-Betreiber hat gezeigt, welches Potential sich entfalten kann, wenn nur genügend Menschen mitmachen und eine von Gesellschaft und Politik getragene Zukunfts-Vision entsteht. 

Private Kleinwindanlagen haben in diesem Zusammenhang noch lange nicht ihr Potential ausgeschöpft und könnten in Zukunft , gerade als Ergänzungstechnologie zur stark wachsenden Photovoltaik, noch einen beachtlichen Energie-Beitrag leisten. Mehr unter 'Kleinwindanlagen'. 

 

Kurze Utopie zur Dezentralität -

wären z.B. alle Elektro-Autos mit Solarzellen bestückt (Stichwort: Sion Motors, 30Km gratis/Sonnen-Tag) - bräuchte man weniger Ladesäulen und Leitungsausbau und müsste im Kurzstrecken-Alltag wesentlich seltener laden.  Bei derzeit 50 Mio. Autos in Deutschland ergäbe sich bei 2m² effektiver Solarfläche pro Auto, eine Fläche von ca.100 km², oder knapp 20 Terrawattstunden Strom pro Jahr! - das wären ca. 40% der bis jetzt installierten Solarleistung Deutschlands bzw. ca. 4% des deutschen Gesamtstromverbrauchs! Ein Riesengewinn durch Kleinteiligkeit und Synergie, praktisch nebenbei und ohne zusätzlichen Landschaftsverbrauch.